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Annex 22 · Annex 11

Annex 22 vs. Annex 11: Was gilt heute für KI in GMP?

Annex 11 ist der generische EU-GMP-Annex für computergestützte Systeme, die Teil GMP-regulierter Tätigkeiten sind. Diese geltende Basis umfasst unter anderem Risikomanagement, Validierung, Datenkontrollen, Zugriff und Betrieb. Annex 22 liegt weiterhin als Entwurf vor (geprüft am 11. Juli 2026). Er zeigt, welche KI-spezifischen Anforderungen künftig hinzukommen könnten — etwa Intended Use, Testdaten, Modellleistung und Human Review. Heute gilt Annex 11; auf Annex 22 kann man sich vorbereiten, ihn aber nicht als geltende Pflicht darstellen.

ANNEX 11 × ANNEX 22 ANNEX 11 · APPLICABLEComputergestützte SystemeVALIDATE · OPERATE · RECORD ANNEX 22 · DRAFTKI-spezifische KontrollenMODEL · DATA · OVERSIGHT CONNECT
Geltender Systemrahmen und KI-Entwurf — sauber getrennt und zusammen gedacht.

Warum die Frage „Annex 22 oder Annex 11?“ falsch gestellt ist

Sobald KI in GMP-Prozesse einzieht, taucht dieselbe Frage auf: Gilt jetzt Annex 22 — oder weiter Annex 11? Die Antwort beginnt mit dem Status: Annex 11 gilt heute. Annex 22 ist ein konsultierter Entwurf und zeigt die mögliche künftige KI-Ergänzung.

Annex 11 (Computerised Systems) ist der etablierte, generische Rahmen für computergestützte Systeme im EU-GMP. Er stammt in seiner geltenden Fassung aus 2011 — lange vor produktivem Machine Learning. Annex 22 (Artificial Intelligence) ist der erste GMP-Annex speziell für KI; sein Entwurf wurde im Juli 2025 zur Konsultation veröffentlicht, gemeinsam mit einer Revision von Annex 11 (Details im Annex-22-Überblick).

Kurz getrennt: Annex 11 regelt heute das System. Der Annex-22-Entwurf ergänzt künftig möglicherweise das Modell darin. Dieser Beitrag zeigt, wer was abdeckt — und wo die Verantwortung sich überlappt.

Was Annex 11 generisch abdeckt — für jedes Computersystem

Die geltende Fassung, ihre Kontrollpunkte und den Stand der Revision 2025 ordnet der Annex-11-Leitfaden im Detail ein.

Annex 11 setzt den Rahmen für computergestützte Systeme, die Teil GMP-regulierter Tätigkeiten sind — ob klassische Software oder KI:

  • Zugriffskontrolle & Zuordnung: physische und logische Zugriffskontrollen; eine eindeutige, zeitgestempelte Zuordnung von Benutzeridentitäten bei jeder Dateneingabe.
  • Audit-Trail: risikobasierte Betrachtung eines systemgenerierten Datensatzes GMP-relevanter Änderungen und Löschungen; verfügbar, verständlich darstellbar und regelmäßig geprüft.
  • Betriebliche Kontrollen: Datensicherungen (Backups), Datenübertragungen/Migrationen, Änderungs- und Konfigurationsmanagement, Incident Management.
  • Business Continuity: Maßnahmen zur Aufrechterhaltung kritischer Prozesse bei Systemausfällen.
  • Elektronische Signaturen: innerhalb des Unternehmens mit derselben Wirkung wie eine handschriftliche Signatur, dauerhaft mit dem Datensatz verbunden und mit Datum sowie Zeit versehen.

Diese Anforderungen verschwinden bei KI nicht — sie bleiben die Basis, auf der alles Weitere steht. Sie sind zugleich das Fundament der Datenintegrität nach ALCOA+.

Was der Annex-22-Entwurf KI-spezifisch hinzufügt

Der Annex-22-Entwurf setzt genau dort an, wo Annex 11 an seine Grenzen kommt: bei Systemen, die ihre Funktionalität durch datenbasiertes Lernen erhalten, statt explizit programmiert zu werden. Er beschreibt KI-spezifische Anforderungen hinzu, die ein prä-ML-Rahmen nicht kannte:

  • Intended Use & Human-in-the-loop: präziser Einsatzzweck und eine eingebaute menschliche Aufsicht über das Modell-Ergebnis.
  • Statische Modelle: für kritische Anwendungen eingefrorene Modelle, die im Betrieb nicht mit neuen Daten weiterlernen.
  • Deterministischer Output: Im Anwendungsbereich des Entwurfs liefern identische Eingaben identische Ausgaben; probabilistische Modelle sind vom Entwurf nicht abgedeckt und sollen in kritischen GMP-Anwendungen nicht eingesetzt werden.
  • Test Data & Test Data Independency: kontrollierte Daten und eine nachweisbar unabhängige Testdaten-Trennung.
  • Explainability & Confidence: Nachvollziehbarkeit der Modellergebnisse und ein Umgang mit der Modell-Konfidenz.
  • Operation: der laufende Betrieb des Modells inklusive Überwachung.

Das ist die Lücke, die der Entwurf adressiert: das Verhalten des Modells, das Annex 11 als Software-Rahmen nicht adressieren konnte.

Der Entwurf setzt dort an, wo ein Modell seine Funktion aus Daten lernt — statt aus explizitem Code.

Das Verhältnis: Schichtung, kein Ersatz

Als Vorbereitung lässt sich der Zusammenhang als Schichtung lesen: Annex 11 als Fundament für das computergestützte System, der Annex-22-Entwurf als mögliche zusätzliche Ebene für das lernende Modell. Heute muss ein KI-gestütztes System im GMP-Prozess den geltenden Annex-11-Rahmen adressieren. Die Kontrollen aus Annex 22 sind ein sinnvoller Vorbereitungsrahmen, bleiben aber Entwurfsanforderungen.

Konkret zu generativer KI und LLMs: Der Entwurf sieht ihren Einsatz in kritischen GMP-Anwendungen nicht vor. Für nicht-kritische Anwendungen schließt er sie nicht aus. Ausreichend qualifiziertes und geschultes Personal muss dort für die Eignung der Ausgaben zum Intended Use verantwortlich bleiben; Human-in-the-loop und die Prinzipien des Entwurfs können soweit anwendbar berücksichtigt werden.

Geltende Basis, möglicher künftiger Zusatz

Annex 11 ist heute der geltende Systemrahmen. Der Annex-22-Entwurf beschreibt eine mögliche zusätzliche KI-Ebene. Bis zu einer finalen Veröffentlichung ist diese Schichtung eine Vorbereitungsperspektive, keine gleichzeitige Rechtslage.

Was das für QA- und Validierungsteams praktisch heißt

Aus dem Verhältnis folgt ein klarer Arbeitsweg:

  • Annex-11-Baseline zuerst sichern. Zugriff, Audit-Trail, Backup/Change-Control, e-Signatur — diese Basis muss für jedes System stehen, bevor KI-Spezifika überhaupt relevant werden.
  • Den Annex-22-Entwurf als Readiness-Check nutzen. Für jedes Modell in kritischer Anwendung: Intended Use, unabhängige Testdaten, Erklärbarkeit, Human-in-the-loop, Betriebsüberwachung — wie das praktisch aussieht, zeigt der GAMP-5-Validierungs-Pfad für KI.
  • Kritisch vs. unterstützend trennen. An dieser Linie entscheidet sich, welche zusätzlichen Kontrollen aus dem Entwurf sachlich sinnvoll sind — und ob generative KI überhaupt in Frage kommt.
  • Den Entwurfsstand verfolgen. Annex 22 und die Annex-11-Revision sind Entwürfe; die finale Fassung kann Details verschieben.

Teams, die KI-Arbeit auf kontrollierte Quellen, attributierte menschliche Prüfung und einen belegbaren Audit-Trail stützen, adressieren die geltende Annex-11-Basis und bereiten zugleich viele im Annex-22-Entwurf angelegte Kontrollen vor. Darauf ist die Nachweis-Architektur von traqx gebaut: als Kontrollrahmen, nicht als Erfüllungszusage.

Die ehrlichen Grenzen

Drei Klarstellungen:

  • Geltend vs. Entwurf: Die geltende Annex-11-Fassung ist von 2011. Die Annex-11-Revision und Annex 22 liegen als Entwurf vor — prüfen Sie für Entscheidungen immer den aktuellen Stand.
  • LLM-Scope nicht verkürzen. Der Entwurf schließt LLMs aus kritischen Anwendungen aus und nennt für nicht-kritische Anwendungen die menschliche Verantwortung. Er ist kein allgemeiner technischer LLM-Leitfaden.
  • Dies ist Orientierung, keine Beratung. Maßgeblich sind die Originaldokumente und Ihre im Kontext validierte, mit der QA abgestimmte Bewertung.

Entwurfsstand — kein finales Recht

Annex 11 (2011) gilt; die Annex-11-Revision und Annex 22 sind Entwürfe (Konsultation Juli 2025). Details der finalen Fassung können abweichen. Orientierung, keine Rechts- oder Compliance-Beratung.

Häufige Fragen

Reicht Annex 11 allein für ein KI-gestütztes GMP-System?

Für den Systemrahmen gilt heute EU GMP Annex 11: Anwendung validieren, IT-Infrastruktur qualifizieren und den Kontrollumfang über eine dokumentierte Risikobewertung begründen. Was Annex 11 nicht im Detail adressiert, ist das lernende Modell selbst — dort setzt der Annex-22-Entwurf an. Die geltende Annex-11-Fassung ordnet der Annex-11-Leitfaden im Detail ein.

Was ist der Unterschied zwischen Annex 22 und Annex 11?

Annex 11 ist der generische EU-GMP-Annex für computergestützte Systeme in GMP-regulierten Tätigkeiten. Annex 22 liegt als Entwurf für KI-Systeme in der Herstellung von Wirkstoffen und Arzneimitteln vor. Kurz: Annex 11 regelt heute das System; Annex 22 könnte künftig KI-spezifische Modellkontrollen ergänzen.

Ersetzt Annex 22 den Annex 11?

Nein. Annex 11 bleibt der geltende Systemrahmen. Der Annex-22-Entwurf ist als KI-spezifische Ergänzung konzipiert, aber noch nicht in Kraft. Unternehmen können die darin beschriebenen Kontrollen als Vorbereitung prüfen, sollten sie aber nicht als bereits geltende Pflichten darstellen.

Gilt Annex 22 schon?

Nein. Die geltende Annex-11-Fassung ist von 2011. Annex 22 und eine Revision von Annex 11 wurden im Juli 2025 als Entwurf zur Konsultation veröffentlicht. Für Entscheidungen sollten Sie immer den aktuellen Stand prüfen — die finale Fassung kann Details verschieben.

Sind LLMs oder generative KI unter Annex 22 erlaubt?

Der Entwurf sieht LLMs und generative KI nicht für kritische GMP-Anwendungen vor. In nicht-kritischen Anwendungen schließt er sie nicht aus; ausreichend qualifiziertes und geschultes Personal bleibt für die Eignung der Ausgaben zum Intended Use verantwortlich.

Kernbotschaften

  • Annex 11 gilt heute für computergestützte Systeme in GMP-regulierten Tätigkeiten; Annex 22 ist weiterhin ein Entwurf.
  • Annex 11 deckt generisch ab: Zugriffskontrolle/zeitgestempelte Zuordnung, risikobasierte Audit-Trails, Betriebskontrollen, Business Continuity und elektronische Signaturen.
  • Annex 22 ergänzt KI-spezifisch — für datenbasiertes Lernen: Intended Use/Human-in-the-loop, statische Modelle, Test Data Independency, Explainability, Confidence, Operation.
  • Ein KI-System im GMP-Prozess muss den geltenden Annex-11-Rahmen adressieren; Annex 22 dient bis zur Finalisierung als Readiness-Linse.
  • Der Entwurf sieht LLMs nicht für kritische GMP-Anwendungen vor. Bei nicht-kritischem Einsatz bleibt qualifiziertes und geschultes Personal für die Eignung der Ausgaben verantwortlich.

Quellen

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